Album «Grandhotel»

Wer den Blues mal laut, erdig, intensiv und gerne auch etwas schräg mag, der liegt bei Marc Amacher goldrichtig. Dies ist spätestens seit Roadhouse deutlich – der höchst explosiven LP von 2019, mit der der eigenwillige Schweizer Musiker erfolgreich durch mehrere Länder getourt ist. Nach gut zwei Jahren meldet er sich nun mit voller Wucht auf dem internationalen Parkett zurück: Zusammen mit den Bandkollegen Norman Süsstrunk (Bass), Dave Flütsch (Drums) und Phipu Gerber (Gitarre) lotet Amacher auf Grandhotel die Grenzen des Blues aus.

Die aufsteigende Kurve des Vollblutmusikers, ursprünglich aus dem Berner Oberland stammend, spiegelt sich im Titel des aktuellen Albums. Vor zwei Jahren hielt sich der Sänger, Gitarrist und Songschreiber im übertragenen Sinn noch im Roadhouse auf – in jener berühmt-berüchtigten, ländlich gelegenen Spelunke, in der allabendlich ausgiebig gefeiert wird. Die renommierte Classic Rock-Zeitschrift ROCKS wertete damals die „äußerst intensiven“ 13 Tracks auf Roadhouse als Ausdruck von Amachers „unbeirrter Liebe zum Blues.“ In einer Online-Rezension lobte Darkstars.de die „raue, tiefe Stimme“ von Amacher, die „coolen Gitarren“ sowie die Gesamtleistung einer „toll aufspielenden Band.“ Vor allem aber überraschten die gradinigen, ungeschliffenen Livetakes auf Roadhouse diejenigen Hörer, die den Schweizer bislang nur von seinen ersten, eher auf Hochglanz polierten Studioproduktionen oder durch seine Teilnahme an der beliebten Fernsehshow The Voice Of Germany im Jahr 2016 kannten. (Entgegen seiner Erwartung schaffte es der Sänger mit seiner Reibeisenstimme bis ins Staffel-Finale.)

Jetzt ist er samt Musikern ein Stück weiter in das zunächst luxuriös klingende Grandhotel gezogen. Wobei man eines an dieser Stelle unmissverständlich sagen muss: Die Band, die hier recht experimentierfreudig ans Werk geht, klingt gar nicht nach Abendgarderobe im prunkvollen Speisesaal, sondern viel eher nach einer zwanglosen Rock’n’Roll-Party im Hinterzimmer.

Die Partygäste werde zunächst unsanft mit einem Wachmacher begrüßt: Lauthals und mit donnernden Gitarren geben Amacher und seine Kollegen den Motörhead-Klassiker „Stay Clean“ zum Besten. Anschließend verweilen sie mit „Ride“ noch ein bisschen in der Hardrock-Ecke (hier ähnelt der Gesang AC/DC zu besten Bon Scott-Zeiten), danach aber schielen sie explizit in Richtung Stoner, angefangen mit dem etwas düsteren, knapp achtminutigen Titel „Devil.“ Hier liefert Amacher mit seinem Gitarrenkollegen Gerber einen ordentlichen Schlagabtausch, während Schlagzeuger Flütsch und Tieftöner Süsstrunk für ein breites Rhythmusfundament sorgen. Auf „STFU“ (ähnlich verzerrt und stonermäßig) folgt mit „Berlin“ ein experimenteller Höhepunkt: Hier weht eine abgefahrene Klangwolke vorbei, in der die Geister von Howlin‘ Wolf und Junior Kimbrough herum schweben.

 

LIVE
18.02.22 Pfäffikon, Chesselhus
19.02.22 Langenthal, Old Capitol
11.03.22 D-Dortmund, Piano
12.03.22 D-Isernhagen, Bluesgarage
17.03.22 D-Erfurt, Museumskeller
18.03.22 D-Torgau, Bastion
19.03.22 D-Dresden, Tante JU
24.03.22 D-Schopfheim, tba
25.03.22 D-Hausach, Triangel
26.03.22 D-Metzingen, Hirsch
31.03.22 D-Roth, Bluestage
01.04.22 D-Donauwörth, Doubles
28.04.22 Solothurn, Kofmehl
05.05.22 D-Berlin, Quasimodo
06.05.22 D-Köln, Yardclub
07.05.22 D-Münster, Hot Jazzclub
13.05.22 D-Aschaffenburg, Colos Saal
14.05.22 D-Freiburg, Jazzhaus
25.05.22 D-Mannheim, Pfingstberg
27.05.22 Hasliberg, Wetterhorn
17.06.22 Wil, Rock am Weier
09.07.22 Walenstadt, Kleinstadt Openair
29.07.22 Unterwasser, Zeltainer