Single «Highlife»

Nur wer hart im Nehmen ist, kann im Musikbusiness überleben. Tempesta sind das lebende Beispiel dafür. Wo andere in einem Trümmerhaufen untergegangen wären, wurden sie kreativ.

Sieben(!) Jahre sind seit dem letzten neuen Studioalbum von Tempesta ins Land gezogen. Mit anderen Worten: Mehr als ein Viertel ihrer 26-jährigen Band-Geschichte haben Reto (Vox, Git), Pascal (Git, Vox), Ruedi (Bass) und Armin (Drum) bereits keinen neuen Longplayer mehr an den Start geschickt. Der Grund: die Band wurde vom Leben hart ge…prüft. Aber Hadern ist nicht das Ding des Quartetts aus dem Kanton Schwyz.

Es war im Sommer 2016, als Tempesta im Proberaum in Wollerau an Material für ein neues Album arbeiteten. So wie man das halt macht, zwei Jahre nach dem letzten Release. Dann kam der 25. Juli. Die Region wurde von einem Jahrhundert-Unwetter heimgesucht; eine Naturkatastrophe, der selbst die Übersetzung des italienischen Wortes «Tempesta» nicht gerecht hätte werden können. 1,80(!) Meter hoch stand das Wasser im Proberaum. Sämtliches Equipment, alle Instrumente und all die angedachten Song-Ideen waren ersoffen, für immer weg, und nicht wiederherzustellen.

Ein Jahr verging allein bis Tempesta den renovierten Raum wieder beziehen konnten. Dann hiess es: Aus aus dem leeren Keller wieder eine Musiker-Stube machen. Tempesta wären nicht Tempesta, wenn sie diesen Neuanfang nicht genutzt hätten, um gleich noch einen Schritt weiter zu gehen: Anstatt einer neuen Version des alten Proberaums zu bauen, richteten sie ihr eigenes Studio ein.

Kaum war dieses fertig, machten sie sich daran, ein Best-Of-Album aufzunehmen. Wenn man mehr als 20 Jahre im Geschäft ist, das 25-Jahr-Jubiläum vor der Türe steht und gerade erst sämtliche neuen Ideen sprichwörtlich den Bach ab gegangen sind, darf man das. So kam 2019 mit dem «Best of 25 Years Anniversary»-Album zwar ein neuer Release von Tempesta – aber halt «nur» mit einem Cover des «Rambo»-Soundtracks und einem neuen Songs als Bonus. «Highlife» hiess die neue Nummer und sollte das Motto für das zweite Vierteljahrhundert in der Bandgeschichte werden. Dann kam Corona.

Wieder war nix mit Highlife, im Gegenteil. Abgesagte Shows, scheinbar kein Ausweg – und kein Ende in Sicht. Doch einmal mehr wäre es Tempesta nie in den Sinn gekommen, den Kopf in den Sand zu stecken. Anstatt Trübsal zu blasen, haben sie dem taufrischen Knaller ein neues akustisches Kleid verpasst – etwas mehr Piano, einen Schuss mehr American Rock´n´Roll, dafür etwas weniger Metal – und ihn noch einen Tick mehr auf Radio getrimmt. Logisch: Die Album-Version von «Highlife» wurde von den Hörerinnen und Hörern bei Virgin Rock Radio in die Top 100 der «Grössten Rocksongs aller Zeiten». Höchste Zeit also, den Fans wenigstens aus dem Äther ein wenig Tempesta auf die Ohren zu geben, solange live noch wenig oder gar nichts läuft. Damit sie dann ready sind, wenn das «Highlife» wieder richtig losgeht.