Zu viel Wind führt zuweilen zu unerwünschtem Abheben. Frühe Höhenflüge bergen das Risiko des Absturzes. Dieses mythische Muster ist gerade in der Musikwelt allpräsent. Lucky Wüthrich hat mit seinen 28 Jahren schon eine Menge Lobeshymnen auf sein Schaffen erlebt. Dass der Thuner Blues-Doyen Philipp Fankhauser früh den Junior Wüthrich gefördert und ihn für die Produktion des Debuts «Steady» unter seine Fittiche genommen hat, spricht für sich.
Die Sorge, dass ihn dieser Traumstart abheben liess und den zweiten Longplayer (‘My Kind Of Music’, Vö 16.02.24) mit Dünkel infiziert, ist unbegründet. Die zweite Singleauskopplung «Able To Love» beweist: Hier arbeitet ein Mann mit einzigartigem Talent. Einer, dem Ehrlichkeit und Authentizität alles sind. Dazu scheut er keinen Aufwand, engagiert Bläser, Backingvocals und sogar ein Streicherquartett. Eindrücklich zeigt er, wie leicht er sich musikalisch in luftig-leichte Höhen entschwebt und dabei sein Herzschmerz verarbeitet. Mit dieser Art von Musik sucht er seinen Pfad zu einer organischen Vereinigung von Blues, Country und Soul. So wie sich seit Generationen die Bluesinfizierten das Privileg herausnehmen, die Karten neu zu mischen. Neu an diese Musik heranzugehen, Hergebrachtes in Frage zu stellen. Der Respekt, mit dem der junge Thuner dies tut, verdient höchste Anerkennung.

