Es ist weit mehr, als eine einzige Geschichte, die LAESSIG auf ihrem zweiten Album erzählen. «Story To Tell» schafft mühelos den Spagat zwischen Vielfalt und hohem Wiedererkennungswert.

Man nehme ganz viel Pop und Rock, gebe etwas Folk und Singer-Songwriter-Kunst hinzu, und schmecke das Ganze punktuell mit einer Prise Americana ab: Diese Formulierung ist der hilflose Versuch, den Sound von LAESSIG in Worte zu fassen. 2021 gegründet, veröffentlichte die Band 2022 mit «Miles Away» bereits das erste viel beachtete Album. Nun ist mit «Story To Tell» auch schon der nächste Longplayer ready. Damit unterstreicht das Sextett, mit welch hohen Ambitionen es seit Anbeginn unterwegs ist. Treu der Devise, “Ganz oder gar nicht”.

Das Bemerkenswerte: Marco Lässig  (Songwriting, Vocals & Guitar), Patrick Lässig (Bass Guitar), Daniel Zimmermann (Backing Vocals & Guitar), Patrick Schmuki (Lead Guitar), Marcus Bodenmann (Keys) und Kaspar Rast (Drums) vermengen ihre verschiedenen Einflüsse scheinbar mühelos zu einem ganz eigenen Sound und schaffen so etwas, was heute den meisten Bands – sorry – schlicht fehlt: Identität!

Aber eben: Da ist auch ein gesundes Selbstvertrauen vorhanden. So haben LAESSIG die neun Tracks ihres Zweitlings allesamt in Eigenregie produziert. Natürlich ist bei LAESSIG immer noch drin, was drauf steht: Lässiger Sound, ohne künstliche Hektik, dafür geprägt von einer erfrischend wohltuenden Gelassenheit. Von «Nonchalance» zu schreiben, würde womöglich zu weit reichen. Aber irgendwo hängt dieser Begriff, den man eben auch mit «Unbekümmertheit» übersetzen kann, halt doch im Hinterkopf, wenn die neun neuen Tracks einer um den anderen aus den Boxen rollen.

Aber «Story To Tell» ist eben doch auch ein schöner Schritt vorwärts – unüberhörbar frecher und rockiger. Kurz: Mit einer guten Portion mehr Vertrauen in das eigene Wesen, Wirken und Schaffen.

Und so geht es mit dem Titeltrack «Story To Tell» gleich mit viel Schwung los – eine Nummer, welche die Richtung vorgibt: Hier darf gerockt werden! «Falling Star» lädt denn auch nur anfänglich zum Träumen und Cruisen ein, bevor der Song im Chorus dann auf das Gaspedal drückt und durchstartet. «Stunning Eyes» ist einer jener Tracks, die selbst am frischesten Wintertag Erinnerungen – oder Vorfeude? – an einen locker-leichten Sommertag aufkommen lässt – perfekt wie ein kühler Drink an der Strandbar, mit Flipflops und Hawaii-Hemd. Und dem Blick in atemberaubende Augen.

Natürlich gehören auch die beiden erfolgreichen Radiosingles «Waiting For July» und vor allem «Resurection Time», dieses einzigartige Bond-Epos, auf die Tracklist von «Story To Tell». Auch, weil sie eben genau exemplarisch dafür stehen, was LAESSIG so wunderbar beherrschen: Geschichten zu erzählen und eingängig zu intonieren.

«Hold Me Now» ist einer der Tracks, die gerade noch griffig genug arrangiert sind, um Rock-Fans zu verzücken, aber doch derart eingängig, dass auch die Menschen, die über die Radio-Playlists wachen, glänzende Augen kriegen. Während «I Belong To You» dann definitiv von der Sorte Songs ist, die man am besten unter vier Augen geniesst – mit etwas Kerzenlicht vielleicht und einem Glas sinnlich guten Rotweins? So oder so sprichwörtlich «Before The Bloom», der nächsten Nummer, die das Tempo dann wieder hochschraubt und die Liebe zu Americana unüberhörbar durchblicken lässt. Und die Warnung: Achtung! Auch die schönsten Rosen haben Dornen – ganz genau so wie in der Liebe. Und logisch, dass «You Can’t Stop Me» den Abschluss macht, diese knackige Funk-Nummer, mit welcher LAESSIG unmissverständlich klar machen: Wir sind noch lange nicht am Ziel – im Gegenteil. Wir legen erst richtig los!