Harte Kerle kippen Milch. Darum gibt’s beim legendären Indy-500-Rennen Milch statt Sekt für den Sieger. Makel & Friends gehen noch weiter. Sie feiern «Milk on the Rocks»!
Unkonventionell sei er, sagt Sam Makel über sich selber. Das zeigt sich nicht nur daran, dass der moderne Troubadour immer noch an die Kraft von handgemachter Musik von echten Menschen glaubt, die durchaus auch auf physischen Tonträgern vertrieben werden kann und soll. Dass Makel anders als andere tickt, zeigt sich auch bei der Wahl seines Lieblingsgetränks im Backstageraum eines Konzertes: Milch! Mit «Milk on the Rocks» haben er und seine Friends dem «weissen Gold», wie er es nennt, nun sogar einen 10 Tracks starken Longplayer gewidmet.
Es ist das dritte Album des Mannes, der zwar schon seit mehr als 20 Jahren regelmässig Lieder schreibt, aber erst in den letzten Jahren angefangen hat, sie Stück für Stück zu veröffentlichen.
Wie schon sein Vorgänger «Lass gut sein» ist auch «Milk on the Rocks» ein Album, das den Bogen weit spannt. Musikalisch, inhaltlich und sprachlich. In Englisch und in Mundart singt Makel vom kleinen und grossen Glück des Alltags und erzählt Geschichten aus dem eigenen Leben oder dem von Freunden – oder stellt die eine oder andere «Was wäre, wenn?»-Frage. All das vertonen Makels Friends luftig leicht in einem musikalischen Universum, das sich am ehesten mit Folkpop mit Singer-Songwriter-Elementen und Americana-Anklängen umschreiben liesse. Wenn man müsste. Aber genau das ist die Stärke von Makel & Friends: Sie müssen nichts und dürfen alles.
Zum Beispiel eben, den Chef Milch trinken lassen. Als «notorischen Milchsäufer» bezeichnet er sich selber – und breitet einen Song lang aus, was das «weisse Gold» für ihn ausmacht. Notabene schon seit Kindsbeinen, als er nach dem Fussballtraining locker mal eine Tafel Schokolade und einen Liter Milch vernichten konnte. Dass die Kühe an den Zaun zu seinem Grundstück kamen und ihm neugierig zuhörten, wenn er zur Gitarre griff, versteht sich da von selber. Aber dass man mit Milch jemanden abschleppen kann? «Milk on the Rocks» macht’s möglich…
«Looks like Paradise» ist ein Song, in dem Makel die paradiesische Morgenstimmung auf der St. Petersinsel im Bielersee beschreibt – eine Ode an seinen Sohn, das Glück und die Schönheit des Momentes. Aber auch eine Erinnerung an die schwierigen Phasen seines Erwachsenwerdens…
Mit «Butterfly» erzählt Makel – musikalisch federleicht und unbeschwert wie ein Schmetterling eben – die Geschichte eines Mannes, der einst Inbegriff von Kraft und Stärke war, heute aber mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat und sich so schwach fühlt, dass er nicht einmal mehr einen Schmetterling einfangen könnte.
Wenn sie so drehen, die Gedanken an das, was war, hätte sein können und noch kommen könnte, dann ist es, als würde das Hirn auf «Highspeed» drehen. Ein weiterer Titel auf «Milk on the Rocks». Natürlich eine Nummer mit viel Tempo – das die Band aber im Refrain rausnimmt. Weil man nicht vergessen sollte, auf die Bremse zu stehen und zu akzeptieren, dass es OK ist, wenn das Leben verrückt spielt und man nicht mehr überall aktiv eingreifen kann oder mag.
Und wenn man dann doch aktiv eingreift – und zum Beispiel einen neuen Drummer suchen und finden muss – will man gute News mit Freunden teilen. So wie Makel es im Band-Chat tat, als klar war, dass mit Andi Kiss ein neuer Mann am Schlagzeug gefunden war. Was Saxofonist Rolf mit den Worten von Humphery Bogart in der Schlusszene von «Casablanca» quittierte: «It looks like the beginning of a beautiful friendship.» Makel griff zum Songwriting-Stift – und Andi präsentierte beim ersten Zusammentreffen mit der ganzen Band den wunderbaren Feelgood-Track «Beautiful Friendship». Nicht, dass Andi sich danach eine «New Identity» gewünscht hätte – im Gegenteil. Makel aber stellt die Frage, wie es wäre, wenn man irgendwo in der Welt unter ganz neuen Umständen ganz neu anfangen könnte oder müsste? Wäre es wohl so verspielt, wie die Band den Song intoniert?

