Am Anfang stand ein ikonisches Sujet für eine Foto-Reihe. Am Ende resultiert ein rootsiger Blues-Track zweier Ikonen, der das Weltgeschehen messerscharf analysiert: George & Schöre Müller präsentieren «3 Affe im Zoo».
Frage: Gibt es eine asiatische Weisheit, die bildlich dargestellt in unserer westlichen Kultur öfter zu sehen ist, als die drei japanischen Affen Mizaru, Kikazaru und Iwazaru, die nebeneinander sitzen und sich der Reihe nach die Augen, Ohren und Mund zuhalten? Auch Fotografin Sandra Hufschmied, daheim im malerischen Dörfchen Courgevaux am Murtensee, hat sich von den drei weisen Affen für ein Kunstprojekt inspirieren lassen: Prominente Vertreterinnen und Vertreter des Schweizer Showbusiness posieren wie das Trio vor ihrer Kamera, und schreiben dazu in ein, zwei Sätzen, was ihnen die Symbolik der «Drei weisen Affen» bedeutet.
Zu diesem Promi-Reigen gehören auch die beiden Berner Musik-Urgesteine George und Georges «Schöre» Müller. Und Ersterer ist bei der letztgenannten Aufgabe grossartig gescheitert.
Ein, zwei Sätze zu einem Thema, dessen Wurzeln 2500 Jahre zurück bis zu Konfuzius reichen? Dessen Interpretation bei genauem Hinsehen so wunderbar die Unterschiede des abendländischen und des morgenländischen Blicks auf die Welt illustriert? Chancenlos!
George hat eine neue Sicht auf die Dinge geschaffen – und gleich ein ganzes Gedicht abgeliefert.
Natürlich hat Sandra Hufschmied den ausufernden Mundart-Poeten für ihr Projekt zurechtgestutzt. Doch im Text «3 Affe im Zoo» war der Grundstein gelegt zu einem der womöglich einfachsten und damit wirkmächtigsten Antikriegssongs, welche die Schweiz in der Neuzeit gehört hat.
Zusammen mit Schöre Müller hat George den Text vertont; verstärkt mit Span-Gründungsmitglied Matti Kohli am Schlagzeug, Phippu «Bluedög» Gerber an der Slidegitarre und Alfred Mosimann am Kontrabass haben die beiden den Track in einer einzigen Live-Session in den Capital Studios von HENA Music in der Münstergasse – mitten in der historischen Berner Altstadt – in ein rootsiges Blues-Kleid verpackt, das selbst Georges grossen Helden CCR gut anstehen würde.
Womit sich ein Kreis schliesst, von dem wir eigentlich geglaubt hatten, wir hätten ihn durchbrechen können: Lange hofften wir, dass Protest- und Antikriegssongs, wie eben auch CCR sie geprägt haben, aus dem Zeitgeist gefallen seien – weil schlicht nicht mehr nötig. Und nun reiben wir uns erstaunt die Augen und stellen fest: Klare Ansagen gegen Egoismus, Gewalt und Krieg sind nötiger denn je!
So kommt es, dass die «3 Affe im Zoo», von denen George & Schöre Müller berichten, nicht weise schweigen, wie ihre fernöstlichen Urväter Mizaru, Kikazaru und Iwazaru. Nein, sie sitzen hier im Westen im Zoo, betrachten und analysieren die Menschen – und brechen am Ende in herzhaftes Gelächter aus. Es ist allerdings kein fröhliches Lachen. Es ist eines von der Art, das uns zu denken geben sollte.
