«Windy City»: So nennen sie Chicago. Wie kommt es, dass ausgerechnet der Blues dieser heiss-kalten Stadt so wohlige Atmosphäre ausstrahlt, wie der neue Song von Pat Laemmle?
Chicago ist eine garstige Stadt. Im Winter kalt, grau und zugig; oft bläst ein eisiger Wind übers Wasser in die Stadt, so dass sie sie in den USA «Windy City» nennen. Im Sommer dagegen, da kann es saumässig heiss werden. Ausgerechnet in dieser Stadt der Extreme hat Pat Laemmle mit «Blue Chicago» einen Club gefunden, an den er sein Herz verloren hat: Seit mehr als 40 Jahren ist das Lokal im Herzen des River North Entertainment District bekannt für seine heimelige, gemütliche – und vor allem authentische – Atmosphäre.
Aus der ganzen Welt – aber eben auch aus Chicago selber – finden Blues-Liebhaber den Weg ins «Blue Chicago». Selbst wenn sie traurig – «blue» – scheinen: Die Herzen dieser Menschen sind gross. Und sie heissen den verlorenen Sohn immer wieder in ihrem Kreis im «Blue Chicago» willkommen. Vielleicht, weil das Klima in Chicago winters wie sommers tatsächlich ein raues sein kann und die Sehnsucht nach einem ruhigen, sicheren Hafen gross.
Höchste Zeit also, dass diesem legendären Lokal ein eigener Song gewidmet wird. Pat Laemmle tut das mit seiner neusten Auskoppelung aus seinem ersten Solo-Album «Born With The Blues» mit ganz viel Klasse: «Blue Chicago» ist ein vertontes Kaminfeuer mit einem Glas Whiskey dazu – und vielleicht sogar der passenden Begleitung an der Seite.
Smooth, sexy, laid back – eine warmherzige Liebeserklärung an das gute Leben und die Menschen, die dort verweilen. Ja, hier schwingt sogar ein Hauch Latino-Wärme mit. Es ist ein Song, durch und durch Blues – trotzdem alles andere als das, was man als «Chicago Blues» kennt. Ein Track mit engem Bezug zu den Wurzeln des Blues, zugleich aber eigenständig, modern und zeitgemäss.
«Blue Chicago» ist das Werk eines Mannes, der über sich selber sagt: «Es gibt Menschen, denen ist der Blues in die Seele geschrieben, sie tragen ihn in ihren Genen.» Und verrät, dass die ersten Skizzen für «Blue Chicago» ihn seit mehr als 20 Jahren begleiten.
Ob vielleicht genau hier das Geheimnis von «Blue Chicago» liegt? In der Kraft der Geduld, das Gute ruhen zu lassen, bis daraus das Beste gedeiht? Wie bei einem guten Whiskey? Sicher ist: Auch mit diesem Song zeigt Pat Laemmle eindrücklich, warum guter Blues wachsen und gedeihen muss und nicht einfach so in kurzer Zeit aus dem Ärmel geschüttelt werden kann.

